O, wie frei!
16.500 Kinder, Jugendliche und Erwachsene trafen sich Anfang August 2022 in Gotha auf dem Bundescamp des christlichen Pfadfinderverbandes „Royal Rangers“.
Das Camp
Über den Rasen der Galopprennbahn in Gotha-Boxberg laufen seit sechs Tagen Tausende von Pfadfindern. Eine ganze Kleinstadt ist entstanden, die zweitgrößte im Landkreis momentan. Errichtet wurde sie innerhalb von nur vier Wochen. Die „Royal Rangers“ veranstalten hier ihr Bundescamp alle acht Jahre seit 1997. Alle Gruppen der christlichen Pfadfinderschaft aus dem gesamten Bundesgebiet treffen hier zusammen. Und es fehlt an nichts: Ein Postamt, eine Klinik, ein Stra0ennetz, Wasserversorgung, elektrische Erdleitungen, Sanitäranlagen und eine riesige Arena für fast 17.000 Menschen haben sie errichtet. Viele Bauwerke sind aus Holz gezimmert. Pfadfinder können so etwas. Quer über den riesigen Platz herrscht eine große Fröhlichkeit. In der einen Ecke wird gemeinsam ein Mittagessen zubereitet. In der nächsten sitzen zwei Mädchen auf dem Boden und singen Lobpreislieder. Mittagspause bei der Gruppe zehn Meter weiter: Erschöpfte Kinder liegen in Hängematten.
Das Camp wird errichtet.
Ein Kontrapunkt zum digitalen Leben
„Ich, meiner, mir, mich, das ist in der heutigen Gesellschaft so weit verbreitet. Wir leben hier das klare Gegenbeispiel. Ein gutes und wertschätzendes Miteinander und Füreinander“, erklärt Peter Lehmann. Er ist seit 2008 der Bundesleiter der rund 23.000 „Rangers“ in Deutschland. „Wir feiern hier die Einfachheit. Weniger ist mehr.“ Das sind die Abenteuer, die die Jugend heute braucht, ist sich Herr Lehmann sicher. „Wenn der Akku des Handys leer ist, beginnen das Leben und die Kommunikation. Wo erfahren sie das sonst noch? Wir setzen einen Kontrapunkt zum digitalen Leben.“
Die Teilnehmer übernachteten in Zelten.
Gottes Botschaft ausführen
Einer, der die richtigen Abenteuer erlebt hat, war der Entdecker Marco Polo (1254 - 1324). Seine Reisen sind das Thema dieses Camps. Mit großer Liebe zum Detail sind rund um die Arena die Stationen seiner Reise von Venedig nach China entstanden. Für 20 Völker, die Marco Polo besucht haben soll, haben verschiedene Pfadfindergruppen sich etwas ausgedacht. Bei den Venezianern kann man die Kunst des Siebdrucks lernen. Bei den Arabern können die Pfadfinder Glasperlen blasen und Raketen bauen. Im Restaurant „Zum fliegenden Teppich“ gibt es abends Fladenbrot mit Hummus. Bei den Han-Chinesen kann man Kalligrafie üben und Litschi-Saft trinken. Bei den Tibetern gibt es vor allem Süßigkeiten, und die Afghanen bieten orientalischen Tanz an. Alles analog und mit dem Blick auf den Christen Marco Polo. „Wenn Gott dir eine Botschaft gibt, dann führe sie aus, Handle danach. Das können wir von Marco Polo lernen, der vermutlich das Christentum in die Region bringen sollte, aber leider gescheitert ist“, erklärt Herr Lehmann. Vor jeder Station hängen Plakate, die die Besucher darüber aufklären, wie es den Christen vor Ort heute geht. Die Aufforderung, für die Glaubensgeschwister zu beten, ist allgegenwärtig.
Im Glauben wachsen
Glaube ist für die „Royal Rangers“ ohnehin der Dreh- und Angelpunkt ihres Handelns als Pfadfinder. In der Gebetsjurte sieht man kleine Gruppen in Gebetsgemeinschaften zusammensitzen. Auf Plakaten werden Bitten, Dank und Verzweiflung gesammelt. Hier ist es ganz still, während draußen das Leben tobt. Herr Lehmann wünscht sich, dass jeder hier durch das Camp einen konkreten geistlichen Schritt für sein Leben gemacht hat. „Als Gruppenleiter möchten wir die Kinder herausfordern, im Glauben zu wachsen und sich zu fragen, wie sie Gottes Wort und Jesus Christus in ihr eigenes Leben integrieren können.“ Mindestens 50% der Neulinge seien ohne Glaubenshintergrund und erfahren erst bei den „Royal Rangers“ von Gott.
Wichtig für eine gesunde Entwicklung
„Ich bin davon überzeugt, dass ein christliches, werteorientiertes außerschulisches Bildungsangebot wie unseres ein elementarer Bestandteil einer gesunden Entwicklung ist“, formuliert Herr Lehmann. Die Zahlen geben ihn recht. Die Pfadfinderbewegung wächst seit Jahren stetig. „Kinder und Jugendliche sehnen sich danach, Verantwortung zu übernehmen, Abenteuer zu erleben, selbständig zu sein und Freiheit zu erfahren.“ Und dies alles innerhalb der guten Schöpfung Gottes.
von Julia Bernhard, „IDEA – das christliche Spektrum“ 32/33.2022 (Der Bericht wurde leicht gekürzt.)